Bauen im Lebenszyklus

Um den heutigen Anforderungen an Gebäude wie Wohnqualität, Wirtschaftlichkeit, Dauerhaftigkeit, Umnutzbarkeit und Rückbaubarkeit gerecht zu werden, ist eine vorausschauende und ganzheitliche Planung erforderlich.

Hierfür ist es unabdingbar den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu berücksichtigen. Dieser kann in die folgenden Lebenszyklusphasen unterteilt werden:

  • Planung/Herstellung
  • Errichtung
  • Nutzung und Betrieb
  • Instandhaltung und Modernisierung
  • Umnutzung/Weiternutzung
  • Rückbau
  • Wiederverwendung/Recycling/Entsorgung

Diese Phasen im Lebenszyklus von Gebäuden werden durch die Lebenswegmodule gemäß DIN EN 15804 im Detail beschrieben. Siehe hierzu Ökobilanzierung (LCA).
Eine Berücksichtigung des gesamten Lebenszyklus bereits in frühen Entwurfs- und Planungsstadien ermöglicht es, die Aufwendungen über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes hinsichtlich ökologischer und ökonomischer Aspekte zu minimieren, während eine hohe Nutzungsqualität sichergestellt werden kann. Gegebenenfalls können hierbei höhere Planungs- und Umsetzungskosten anfallen, welche sich jedoch in der Regel, insbesondere durch Einsparungen bei den Nutzungs-, Betriebs- und Instandhaltungskosten, refinanzieren, so dass insgesamt eine Senkung der Lebenszykluskosten ermöglicht wird. Dies wird durch die folgende Grafik des BBSR veranschaulicht:

Foto: BBSR, in Anlehnung an Jones LaSalle (2008 b)

Durch die Umsetzung einer höheren Dauerhaftigkeit und Flexibilität für spätere Umnutzungen bleibt der Wert eines Gebäudes zudem länger erhalten und im Falle eines Verkaufs können in der Regel weitere wirtschaftlichen Vorteile generiert werden.

Neben den ökonomischen ergeben sich auch ökologische Vorteile aus der ganzheitlichen Planung von Gebäuden im Lebenszyklus. Durch die Planung und Umsetzung reversibler Konstruktionen und Bauteilverbindungen sowie den Einsatz von Baustoffen ohne umweltbelastende Zusatzstoffe kann ein sortenreiner Ausbau und Rückbau von Bauprodukten ermöglicht werden. Dies ist oft die Voraussetzung für eine anschließende Wiederverwendung oder ein hochwertiges Recycling von Baustoffen und Bauprodukten, womit eine Verringerung der Produktqualität (Downgrading) verhindert werden kann. Die Verwertung von Baustoffen zieht in den meisten Fällen ein derartiges Downgrading nach sich. So können beispielsweise Beton und Ziegel oft nur noch als minderwertige Schüttungen für den Straßenbau verwertet werden. Durch die lebenszyklusoptimierte Planung soll zudem der Entsorgung von Baustoffen auf Deponien vorgebeugt werden, nicht nur um wertvolle Rohstoffe zu erhalten, sondern auch um den erneuten Energieeinsatz für die Herstellung neuer Baustoffe sowie die damit verbundenen Treibhausgasemissionen einzusparen. Dies würde einen Wandel von der Linearwirtschaft („Wegwerfgesellschaft“) hin zu einer kreislauffähigen Wirtschaft bedeuten, wie im folgenden Schaubild der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) dargestellt:

Foto: Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB)

Für die Auswahl von geeigneten Bauprodukten sollte planungsbegleitend stets eine ökobilanzielle Bewertung erfolgen. Mit vergleichsweise geringem Arbeitsaufwand können hiermit die graue Energie und Emissionen der Baustoffe bilanziert und durch eine entsprechende Auswahl auf ein Minimum reduziert werden. Es empfiehlt sich der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen wie beispielsweise Holz, wodurch zusätzlich CO2 aus der Atmosphäre entnommen und im Gebäude als Kohlenstoffspeicher gebunden werden kann.

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